Interkulturelles E-Projekt

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Einordnung interkultureller E-Projekte in die Methodenlandkarte für Maßnahmen zur interkulturellen Personalentwicklung

Interkulturelle E-Projekte sind webbasierte Projekte, die das Ziel verfolgen, eine kollaborative interkulturelle Zusammenarbeit zwischen TeilnehmerInnenn aus unterschiedlichen Kulturräumen zu initiieren.

Konzept

Ein interkulturelles E-Projekt, das via Internet durchgeführt wird, ermöglicht die interkulturelle Zusammenarbeit über die geographischen Grenzen hinweg. Mithilfe technologischer Mittel werden die Rahmenbedingungen für eine kollaborative Vernetzung zwischen TeilnehmerInnen, die aus unterschiedlichen Kulturräumen stammen, geschaffen. Die TeilnehmerInnen bekommen einen Auftrag bzw. ein Projektthema und können gemeinsam Realisationswege konstruieren. In diesem Sinne wird Interkulturalität nicht bloß thematisiert, sondern lässt sie sich authentisch erfahren, auch wenn die Präsenz-Lernumgebung nicht multikulturell geprägt ist.[1] Bei einem interkulturellen E-Projekt könnte man bspw. die Erarbeitung – mit Partnergruppen in anderen Ländern – einer gemeinsamen Dokumentation über eine aktuelle Frage (z.B. interkulturelle Sensibilisierung oder Förderung des Umweltbewusstseins) in Auftrag geben. Das Prozedere wird von den TeilnehmerInnen gemeinsam virtuell festgelegt und geplant, d.h. die Lernenden werden zu WissensproduzentInnen und damit können sie – zumindest partiell – ihren Lernprozess steuern. Dementsprechend werden TrainerInnen immer weniger als „TrainerInnen“ empfunden, stattdessen wird ihnen eine moderierende Funktion zugeschrieben, in der sie die Rolle von LernpartnerInnen ausüben.

Dahinter steckt die Idee, das Web zu nutzen, um kreative Felder[2] aufzubauen, in denen heterogene Persönlichkeiten miteinander interagieren und, aufgrund deren pulsierender Diversität, neue Perspektiven eröffnen können. Demnach profilieren sich E-Projekte als unabdingbares Instrument für Unternehmen und Organisationen, die das Wissen ihrer Mitarbeiter weltweit freisetzen und vernetzen mögen. Denn in der heutigen hochspezialisierten Gesellschaft geht es nicht mehr darum, dass jeder alles kann. Vielmehr ist es wichtig, dass spezialisierte Individuen in der Lage sind, sich synergetisch zu ergänzen.

Interkulturelle E-Projekte teilen mit gewöhnlichen Projekten die Merkmale der Zeitbegrenztheit und der Einmaligkeit[3], sind jedoch durch höhere Komplexität und Innovationspotenzial gekennzeichnet. Die Zeitbegrenztheit bezieht sich auf die Tatsache, dass Projekte i.d.R. in einem bestimmten Zeitraum bearbeitet werden müssen, während die Einmaligkeit das nicht wiederholbare Zusammenspiel zwischen kontingenten Faktoren, beteiligten AkteurInnen und dem eigentlichen Auftrag beschreibt. Aufgrund der hohen Kosten werden Projekte erst dann umgesetzt, wenn die Arbeit bzw. die Aufgabestellung nicht in direktem Zusammenhang mit Routinetätigkeiten steht, d.h. wo in höherem Maß Innovation erfordert wird. Bei internetbasierten Projekten steigt die Komplexität, allein dadurch, dass die beteiligten AkteurInnen nicht an dem gleichen Ort sitzen, möglicherweise verschiedene Muttersprachen sprechen und mit Zeitverschiebung rechnen müssen. Die Erweiterung des kreativen Feldes schafft jedoch eine Erhöhung des Innovationspotenzial.

Lernziel

Interkulturelle E-Projekte als Übungstyp dienen dazu, Netzwerkfähigkeit in einem interkulturellen und hoch komplexen Kontext zu erzeugen. Indem Interkulturalität live praktiziert wird, erwerben die TeilnehmerInnen interkulturelle Kompetenz und lernen durch direkte Erfahrung, in einem unvertrauten Kontext zu agieren. Die TeilnehmerInnen haben die Möglichkeit, in eigener Verantwortung interkulturelle Projekte zu entwickeln und können neuartige Lösungskonzepte erarbeiten. Damit verbessern sie ihre Fähigkeit, Chancen und Probleme in interkulturellen Umgebungen einschätzen zu können. Als relevante Nebenprodukte der Übung stehen die Stärkung der Fremdsprachenkompetenz und der Aufbau des eigenen interkulturellen Netzwerkes im Vordergrund.

Zielgruppe

Aufgrund ihrer Einmaligkeit können interkulturelle E-Projekte für unterschiedliche Zielgruppen konzipiert werden, bspw. SchülerInnen, Studierende, MitarbeiterInnen oder Führungskräfte.

Umsetzung

Die Durchführung eines E-Projektes verlangt eine klare Zielsetzung und eine präzise Projektplanung: die Zwischenziele des gesamten Projektes sowie ein Kommunikationsplan sollten schon am Anfang festgelegt werden. In der Anfangsphase erfolgt ebenfalls eine Rollenverteilung, d.h. die Aufgaben werden zwischen den TeilnehmerInnen aufgeteilt. Erst wenn diese Rahmenbedingungen geschaffen werden, kann die eigentliche Projektdurchführung beginnen. Die regelmäßige Evaluation der Zwischenergebnisse garantiert ein kontinuierliches Feedback, erleichtert das Prozedere und reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Misserfolges. Die Abschlussphase beinhaltet eine gesamte Evaluation und eine Reflexion über die geleistete Arbeit. Noch zu beachten ist die Tatsache, dass eine Gruppe, die örtlich verteilt arbeitet, entsprechende Instrumente für eine erfolgreiche Kommunikation benötigt. In den letzten Jahren haben sich viele „kollaborative Werkzeuge“[4] für webbasierte Anwendung entwickelt. Zahlreich sind z.B. die Instrumente für die kollaborative Verfassung von Texten (z.B. EtherPad). Sehr hilfreich sind auch webbasierte Systeme für das Mindmapping (z.B. Mind42), eine Visualisierungstechnik, bei der Ideen in Form einer Baumstruktur angeordnet werden können. Ein E-Projekt impliziert außerdem synchrone Online-Treffen: mit Tinychat oder Jitsi kann man bspw. eine kleinere Anzahl von Personen ohne Angabe von Anmeldeinformationen in einen Text-, Audio- oder Videochat einladen.

Manche von diesen Diensten funktionieren gänzlich ohne Registrierung oder dem Einrichten eines Kontos. Wenn sie nicht komplett kostenlos sind, bieten sie zumindest eine kostenlose Variante ihrer Werkzeuge an.

Herausforderungen

Das Arbeitsfeld ist relativ neu und steht vor großen Herausforderungen. Ein E-Projekt ist zeitintensiv und verlangt einen hohen Arbeitsaufwand, die TeilnehmerInnen müssen wahrscheinlich mit Zeitverschiebung und Sprachschwierigkeiten umgehen. Dazu sind angemessene technische Mittel sowie eine gute Internetverbindung erforderlich, jedoch nicht immer vorhanden.

Weiterhin kann die hohe Komplexität eines E-Projekts die Erfolgsaussichten des interkulturellen Teams gefährden. Aus dieser Sicht, ist die Basis für eine nachhaltige interkulturelle Zusammenarbeit ein durchdachtes E-Projekt Management, das die TeilnehmerInnen in die Lage versetzt, an einer gemeinsamen Vision zu arbeiten. Das Vorhandensein einer von allen geteilten Zielvorstellung, so Bornemann[5], ist eine Treibkraft für das Entstehen von sozialer Kohäsion. Gleichwohl soll die klare Feststellung einer gemeinsamen Ziel als Nährboden für eine erfolgreiche webbasierte interkulturelle Zusammenarbeit dienen. Außerdem, sollen die TeilnehmerInnen eines E-Projektes ein Synergiebewusstsein und einen Kooperationswille entwickeln: die Thematisierung der Diversität kann dazu dienen, dass die Vielfalt als Chance und der Dissens als Mittel zur natürlichen Evaluierung der Ideen empfunden werden. Auf diesen Grundlagen kann die kollaborative Konstruktion eines webbasierten Innovationsraumes erfolgen.

Literatur

  • Bolten, J. (2012). Interkulturelle Kompetenz. Erfurt: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.
  • Bornemann, S. (2011). Kooperation und Kollaboration. Das kreative Feld als Weg zu innovativer Teamarbeit. Wiesbaden: Springer.
  • Kühne, A. (2011). Interkulturelle Teams. Neue Strategien der globalen Zusammenarbeit. Wiesbaden: Gabler.
  • Karlhuber, S./Wageneder, G. (2013). Einsatz kollaborativer Werkzeuge. Lernen und Lehren mit webbasierten Anwendungen. http://l3t.eu/homepage/das-buch/ebook-2013/kapitel/o/id/134/name/einsatz-kollaborativer-werkzeuge

Einzelnachweise

  1. Vgl. Bolten, J. (2012). Interkulturelle Kompetenz. Erfurt: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.
  2. Vgl. Bornemann, S. (2011). Kooperation und Kollaboration. Das kreative Feld als Weg zu innovativer Teamarbeit. Wiesbaden: Springer.
  3. Vgl. Kühne, A. (2011). Interkulturelle Teams. Neue Strategien der globalen Zusammenarbeit. Wiesbaden: Gabler.
  4. Karlhuber, S./Wageneder, G. (2013). Einsatz kollaborativer Werkzeuge. Lernen und Lehren mit webbasierten Anwendungen. http://l3t.eu/homepage/das-buch/ebook-2013/kapitel/o/id/134/name/einsatz-kollaborativer-werkzeuge.
  5. Bornemann, S. (2011). 93-95.